30. Apr. 2026
Beep! Alarm oder nur Lärm?
Im Klinikalltag entscheidet manchmal ein Ton über Aufmerksamkeit oder Überforderung.
Im Januar waren wir erneut beim Patient Monitoring Roundtable an der Charité – Universitätsmedizin Berlin dabei. Diesmal waren wir nicht nur Gast, sondern aktiv dabei: Im Berliner Simulations- & Trainingszentrum (BeST) haben wir uns gefragt, wie sich Sicherheit im Klinikalltag eigentlich anhören sollte.
In der Keynote von Johannes Helberger (Sound Innovation Lab) ging es nicht um Technik allein. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wann ist ein medizinischer Sound eine Hilfe und wann wird er zum Stressor?
Im Anschluss fanden zwei Workshops statt – einen davon leiteten Sandra und Rodney: In einem detailgetreuen Nachbau eines Operationssaals fragten wir die Teilnehmenden – ein Großteil von ihnen arbeiten in der Klinik – nach ihren Erfahrungen mit Sounds in der Klinik. Wir hörten reale Alarmklänge aus dem Klinikalltag. Das Feedback war eindeutig: „Man hört sie ständig, aber man weiß irgendwann nicht mehr, was wirklich wichtig ist.“
Das Problem ist nicht Lautstärke, sondern die Bedeutung.
Wenn Alarme zu häufig, zu ähnlich oder schlecht gestaltet sind, entsteht Alarmmüdigkeit. Die Aufmerksamkeit sinkt, der Stress steigt. Damit wächst das Risiko, dass der entscheidende Alarm untergeht. Sound ist im medizinischen Bereich also kein Nebenthema. Er steuert Aufmerksamkeit, beeinflusst den Workload und wirkt so auch unmittelbar auf Sicherheit der Patient:innen.
Was im PMRT deutlich wurde: Wir brauchen im Gesundheitswesen nicht nur bessere Technik, sondern eine konsequente Human-Factors-Perspektive auf Alarme und deren klangliche Umsetzung.
Genau hier setzt unsere Arbeit an. Wir übersetzen die klinischen Anforderungen und Erfahrungen in Gestaltungskriterien für akustische Schnittstellen: Welche Informationen sollen überhaupt hörbar sein? Wie unterscheiden sich die Prioritäten klanglich? Und wie können diese Signale angenehm gestaltet werden? Unser Ziel ist es, Alarmsysteme zu entwickeln und zu evaluieren, die im Klinikalltag unterstützen und die kognitive Last reduzieren.
Vielen Dank an das gesamte PMRT-Team für den offenen fachlichen Austausch, an das Sound Innovation Lab für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und an das BESt für die tolle Location, in der wir die Klinikrealität erleben und diskutieren konnten.