11. Mai 2026
Darf es ein bisschen mehr Abstand sein?
Wir haben die von Fußgänger:innen empfundene Sicherheit in unserem neuen Gehsimulator untersucht.
Sich zu Fuß oder mit dem Rad im Alltag sicher fortbewegen zu können, ermöglicht uns Teilhabe und ist unbestritten auch gesund. Wir sind entsprechend gern so unterwegs, doch nicht immer fühlen wir uns sicher und wohl dabei. Besonders wenn Verkehrsflächen von Fußgänger:innen und Radfahrer:innen gemeinsam genutzt werden, kann es auch zu Konflikten kommen. Diese reichen vom harmlosen Ausweichen bis hin zu Beinaheunfällen.
Im Projekt „Qualität von Flächen des Fußverkehrs bei Freigabe für den Radverkehr“ für die Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen BASt sind wir zusammen mit dem Fachgebiet Straßenplanung und Straßenbetrieb der TU Berlin den Fragen eines verträglichen Miteinanders auf gemeinsam genutzten Wegen nachgegangen. Dafür haben wir Menschen an acht unterschiedlichen Orten in Berlin befragt, um deren Erfahrungen als Fußgänger:innen auf Gehwegen, die auch für den Radverkehr freigegeben sind, zu sammeln. Kernstück unserer Arbeit war jedoch eine VR-Studie mit 32 Personen in unserem dafür neu entwickelten Gehsimulator.
In einer Simulation lassen sich Umgebungen und das Verhalten anderer (virtueller) Verkehrsteilnehmer:innen systematisch variieren. In unserer Studie waren das z.B. die Geschwindigkeiten von virtuellen Radfahrer:innen, und auch deren Anzahl auf dem Gehweg. Die Umgebung war einem unserer Untersuchungsorte aus der Vor-Ort-Befragung nachempfunden. Unsere echten Fußgänger:innen konnten die VR-Welt in aufrechter Position mittels einer Laufstütze mit sogenannten CyberShoes begehen.
Im Projekt haben wir uns damit einmal mehr auf Neuland begeben und eine innovative Lösung entwickelt, um eine komplexe Fragestellung zu beantworten. Mit den Ergebnissen der Studien in unserem VR-Simulator, vor Ort in Berlin und aus einem Workshop mit sehbehinderten Personen, konnten wir Empfehlungen ableiten, die auf eine höhere empfundene Sicherheit und ein konfliktfreieres Miteinander von Fußgänger:innen und Radfahrer:innen abzielen. Diese sind im frisch erschienen Projektbericht nachzulesen.